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Gewalt

Unsere Medien sind gefüllt mit Gewalt, seien es Verbrechen, Krankheit, Krieg, Missbrauch und tragische Unfälle. Oft werden Berichte auch dahin genutzt, um Meinungsbilder zu schaffen, wie zum Beispiel die PEGIDIA Bewegung mit ihrer „islamischen Gewalt Propaganda.“ Gewalt selber kann weder christlich, jüdisch noch islamisch sein, weil dieser Begriff keine Zugehörigkeit zu Gruppen beinhaltet.

Jeder Mensch begegnet in seinem Leben mehr als nur einmal eine Situation, die ER/Sie nicht möchte. Gewalt ist nicht nur physisch. Bei einem Wettkampf, Ringen, Raufen, Boxen, wird der physische Angriff nicht immer als Gewalt Wahrgenommen. Viele Kinder nehmen am Judounterricht teil weil das „kontrollierte Raufen“ unter dem Motto, „Du bist mein Freund, ich tue dir nicht weh!“ spaß macht. Oft wird aber auch Gewalt als Motiv der Anpassung angenommen, zum Beispiel Mutproben in Jugendgruppen, Aufnahmezeremonien in Studentenschaften, Sportgruppen etc. Oft wird psychische Gewalt stärker Wahrgenommen als körperliche. Filme und Videospiele ohne Gewaltinhalte werden von immer jüngerem Publikum als langweilig empfunden. Warum ist das so? Muß Gewalt sein?

Unser Leben beginnt vor und bei der Geburt mit einem „gewaltigem Akt“, wir vermitteln und erfahren große Schmerzen beim Verlassen des Uterus. Ohne Gewalt verherrlichen zu wollen, Gewaltfreiheit ist eine Illusion. Stolpern und hinfallen sind Handlungen auf die das Aufstehen erfolgt. Ein Unfall ist dann besonders Schlimm, wenn die spontane Befreiung von der Gewalt, dem Aufstehen und weggehen nicht mehr geht. Gewalt ist also in erster Linie eine Erfahrung, und im weiteren Verständnis erst eine Handlung. Ein Vulkanausbruch im Universum den niemand sieht wird nicht als gewaltig Wahrgenommen, sondern erst durch einen Beobachter der diese mit Erfahrung und Wertung in Beziehung bringt. Die Art, wie unsere Beobachtung ausgewertet wird, fügt dem Vulkanausbruch auch gewisse Größen und Bewertungen zu. Ein Vulkanwissenschaftler, der den Ausbruch an seine Instrumente erlebt hat bestimmt eine andere Beobachtung als ein Lebewesen, welches langsam vom Gas oder der heißen Lava eingeschlossen wird.

Unser Wortschatz hat viele Synonyme für Gewalt. Ein Wort ist Brutalität. Ein Vulkan, welcher mit seiner Lava eine Stadt einschließt und seine Menschen tötet, wird nicht als Brutal angesehen. Eine Kriegsgruppe, die eine Stadt belagert und die Menschen verhungern läßt, schon. Hier wird eine bewusste Handlung bewertet. Für uns Menschen ist es schwer zu ertragen, welche gewaltigen Anstrengungen das Leben für uns bietet, eine bewußt ausgeführte Gewalt wird aber viel schlimmer empfunden. „Wie konntest Du das tun?“ Zum physischen kommt noch der psychische Schmerz hinzu.

Semantisch gesehen kommt der Gewaltbegriff von Waltan, für Stärke, Herrschen, Beherrschen oder Macht. In Soziologie, Ethnologie und Recht gibt es recht unterschiedliche Definitionen des Wortbegriff Gewalt. „Macht erleiden um im Gruppengefüge selber Macht ausüben zu können“ wird in der Soziologie als Grund für Gewaltausübung genannt. In der Rechtsprechung hat die Gewalt erfassbare und messbare Parameter, nicht wie bei Walter Benjamin eine sittlich markierte abstrakte Ursache. Diese Parameter unterliegen ebenfalls dem sozialen Wandel und können durch die Veränderung in der Rechtsprechung sehr genau erfasst werden (vergl. Dietrich Busse Gewalt im Strafrecht 1991).

Die spontane raptive Gewalt, z.B. ein Wutausbruch, wird von Verfechter der Frontalhirn-Hypothesen auf Bildungsmangel hingestellt. Ob es eine Zunahme in der Intensität der Gewaltausübung kann aber wenig gesagt werden, da bisher nur wenige Beispiele dokumentarisch erfasst wurden. Meine Arbeit mit „aggressiven Jugendlichen“ zeigte mir selber das ihnen nur das Werkzeug fehlte um schwierige Situationen abzuarbeiten. Oft geben Projekte von Vereinen hier die ausgleichende soziale Kompetenz die leider im Schulunterricht zu kurz kam. Menschen in A-Förderung und A-bstellgleis einzuteilen ist nicht hinreichend hilfreich.

Gewalt und Religion

Das Gewalt was mit Macht des stärkeren zu tun hat sieht man wenn wir das Menschbild weltweit vergleichen. So ist Gewalt gegenüber Frauen und Kindern als die schwächere Gruppe weitläufig akzeptiert. Auch sind viele Gewaltexzesse Phänomene der Neuzeit. Zum Beispiel soll die Burka erst in 19. Jahrhundert vom türkischen Sultan eingeführt worden sein, jedenfalls ist es kein Relikte der heiligen Schrift. Pädophilie, Sklavenhaltung und menschenverachtende Sinneshaltung sind immer noch Teil unserer Gesellschaft. Das unser Rechtsystem Gewalttaten verfolgen, aber nicht verhindern kann, zeigt wie Paradox unser Bewusstsein ist.

Grenzen

Nur ein (paar?) Gedanken:

Intellektuell bedeutet belesen sein, gelesenes zu wiederholen und im Zusammenhang wiederzugeben. Denken, speziell freies Denken, ist keine Voraussetzung.

Hinter „Freies Denken“ vermuten wir etwas Grenzenlosen. In der Beschränktheit des Erfassbarem wird ein Gefühl der Sicherheit vermittelt, die Suche nach Sicherheit ist der Suche nach Freiheit entgegen gesetzt. Der Mensch als intellektuelles Wesen bewegt sich ständig zwischen den Polen der Sicherheit und Freiheit innerhalb der Grenzen des Mittelmaßes hin und her. Diese Suche zwischen einer sicheren, begrifflich erfassbaren Wahrheit und dem Nichtbegreifen ähnelt der Suche nach dem Sinn des Lebens. Dabei unterscheidet sich unsere Wahrnehmung je nach sozialem und kulturellen Hintergrund. Die westliche monotheistische Betrachtung ist in einer Suche nach dem EINZIG WAHREM in einer multidimensionalen Wirklichkeit verloren, in scheinbaren Wiederspruch verstrickt, während einige östliche Mythologien gar keine Wahrheit zulassen. Alles ist Maja bedeutet, dass unsere gesamte Betrachtungsweise der Wirklichkeit von Illusionen verseucht wird, eine wahre Wirklichkeit durch Überwindung unserer „falschen Wahrnehmung“ erst möglich wird.

Da die Vermittlung einer Wirklichkeit durch Kommunikation erfolgt, gleicht sich die Betrachtungsweise einer bestehenden Wahrheit durch die globale Kommunikation an. Sie wird aber auch vielfältiger und damit von unserem Geist schwerer Erfassbar, verwirrend und verängstigend. Da, wo immer weiter die Grenzen des Fassbaren wegfallen, breitet sich die Angst der Beschränktheit aus. Angst ist die Ursache für die Suche nach Schutz und die Errichtung von Schranken. Jeder Mensch, der mit seinen Gedanken diese Schranken einreißt erzeugt auch Feindbilder. Kein Denker ohne Anfeindung und kein Raum für Kommunikation ohne Angst.

Eine globale Vernetzung ohne Angst und Feindbilder ist eine Illusion und entspricht nicht der menschlichen Natur oder seinem beschränkten Geist. Nur die Natur selber zeigt uns stets aufs Neue das unsere Gedanken noch lange nicht die Grenzenlosigkeit des Raumes erfasst haben, geschweige von allem außerhalb des Raumes.